„Mehr Nähzeit in 2026“ – das habe ich im Januar auf meine Liste der Dinge geschrieben, von denen ich mehr machen möchte in diesem Jahr. Neben meinem Langzeitprojekt, mir ein paar für meinen Körper passende Basis-Klamottenschnitte zu erstellen und zu lernen, wie ich die selber nähen kann (im Oktober gehe ich wieder zum Nähkurs!), Laurels Quilt (fast fertig!) und Textilwerkstatt Live Workshops zu Basistechniken im Patchwork (Fliegende Gänse auf Papier und den Block Trip around the World) habe ich mich in der ersten Jahreshälfte noch mit einem anderen Nähprojekt beschäftigt:

Der Atelierhaus Bee – unser erstes Community Tauschprojekt

Tauschaktionen erfreuen sich auch bei den Atelierhaus Mitgliedern großer Beliebtheit. Neben einer ATC (Artist Trading Card) Gruppe und der Zinetauschgruppe, die beide mitgliederorganisiert sind, freue ich mich nun sehr über das erste Tauschprojekt mit textilem Schwerpunkt. Der Atelierhaus Bee.
Schon länger hatte ich Lust, mal einen Patchwork-Bee zu organisieren. Es gibt einige Gruppen in der Quiltszene, die das regelmässig veranstalten und ich habe schon sehr viele feine Ergebnisse gesehen. So etwas wollte ich für unsere Community auch! Die Besonderheit: Im Atelierhaus sind nicht nur reine Quilterinnen/Patchworkerinnen dabei. Die meisten arbeiten mit Papier und Stoff, allerdings mit unterschiedlicher Gewichtung.

Daher habe ich länger darüber nachgedacht, wie ein Bee Konzept für uns im Atelierhaus funktionieren könnte, um möglichst viele Mitglieder anzusprechen.

Seit Februar läuft nun schon unser textiles Tauschprojekt, unsere Gruppe hat beschlossen, während der Entstehung noch keine Bilder zu teilen. Austausch über ein eigenes Padlet und per Email. Keine Signalgruppe oder so. Zwölf von uns haben monatelang textile Blöcke und Buchseiten füreinander genäht, gestickt, appliziert und gestaltet – ohne dass es nach außen sichtbar war. Jetzt, wo die Tauschphase abgeschlossen ist, kann ich endlich davon erzählen und hier im Blog dokumentieren, was ich für die anderen angefertigt habe und was ich an textilen Werken bekommen habe. Und ich bin bereits fest entschlossen: Es wird eine weitere Tauschrunde geben im nächsten Jahr!

Was ist eigentlich ein Bee?

Der Begriff kommt aus der nordamerikanischen Textilgeschichte. Schon im 18. und 19. Jahrhundert trafen sich Frauen in kleinen Gruppen, um gemeinsam an Quilts zu arbeiten — oft an großen Rahmen, an denen mehrere Personen gleichzeitig quilten konnten. Diese Treffen waren weit mehr als reine Handarbeit: Sie waren ein sozialer Raum zum Austausch, zur gegenseitigen Unterstützung, manchmal die einzige Gelegenheit, überhaupt aus dem Haus zu kommen. Der Name „Bee“ spielt auf den Bienenstock an — viele einzelne Arbeiterinnen, die gemeinsam an einem großen Werk arbeiten.

In der modernen Form eines Quilting Bee funktioniert das häufig so: Eine feste Gruppe bildet sich, jede ist einmal im Projektzeitraum die „Queen“ und bestimmt Farben, Motive und Format ihrer Blöcke. Alle anderen nähen nach diesen Vorgaben, die fertigen Blöcke werden getauscht — am Ende hat jede genug Blöcke für einen eigenen Quilt.

Was beim Atelierhaus Bee anders ist

So schön das klassische Format ist — es passt nicht eins zu eins zum Atelierhaus. Wir sind keine reine Quilt-Community, sondern eine Werkstatt mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten: Patchwork und Nähen genauso wie Papier, Druck und Mixed Media. Also habe ich mir überlegt, wie ein Bee aussehen könnte, der zu uns passt und möglichst viele Mitglieder anspricht.

Textil als Basis, aber plus Mixed Media Techniken. Wer mitmacht, arbeitet mit Stoff — aber nicht zwingend mit dem Ziel, am Ende einen Quilt zu haben. Aus den getauschten Teilen kann genauso gut ein textiles Buch, ein Kissen oder etwas ganz Eigenes entstehen.

Struktur ohne Monatsdruck. Anders als beim klassischen Bee Format, wo jeden Monat eine Queen ihre Vorgaben an die Gruppe stellt, gibt es im Atelierhaus einen festen Starttermin, wo alle Aufgaben im Arbeitspadlet hinterlegt werden. Zwischenzeitliche Treffen über Zoom machen wir nach Bedarf und Absprache und es gibt einen Termin, zu dem alle Beiträge ausgetauscht sein sollten.
Auf diese Weise entscheidet jede selbst, wann sie welche Tauschprojekte angeht. Kreativität lässt sich schlecht in ein starres Monatsraster pressen, und das sollte sie im Atelierhaus auch nicht müssen.

Jede ist einmal Queen Bee. Das war für einige der ungewohnteste Teil: Man formuliert die eigenen Vorgaben für andere und bekommt dann unterschiedliche Einzelteile, individuell nach den persönlichen Wünschen umgesetzt von den anderen Gruppenmitgliedern. Man legt fest, welche Farben, Themen oder Techniken einen ansprechen — und lässt dann los.

Einzelstücke statt Serienproduktion

Das hat mir persönlich am besten gefallen!
Die meisten Tauschaktionen bestehen darin, das entsprechende Tauschobjekt in Serie herzustellen (bei Zines liegt das natürlich in der Natur der Sache). Einen Entwurf auszuknobeln und so lange zu probieren, bis das Ergebnis mir gefällt, finde ich toll. Die Wiederholung dann für die Serie abzuarbeiten, langweilt mich zumeist.
Das ist bei einem Bee Tausch anders. Statt eine Auflage gleicher Exemplare anzufertigen, arbeitet man bei einem Bee an Einzelstücken, je nach Vorgabe sehr unterschiedlich.

Ich möchte euch heute ein paar der Teile zeigen, die ich für meine Bienchen genäht habe. Wir sind 12 Arbeitsbienen und ich habe 11 einzelne Beiträge gestaltet. Hier sind die ersten drei.

Karens Queen Vorgaben

Karens Idee: Ein Sitzkissen für den Lieblings-Gartenstuhl. Sie hat sich von uns Blöcke mit diagonalen Streifen gewünscht. 22 x22cm, bunt gemixt und fröhliche Farben, nicht Ton in Ton und nicht zu dunkel. Bunt kann ich! Mit diesem Projekt habe ich angefangen.

Die Maße hatte Karen genau angegeben. Auf einfaches Büropapier habe ich mir eine Papiervorlage gezeichnet. Auf diese habe ich dann genäht. Auf diese Weise bekomme auch ich halbwegs gerade Nähte hin 🙂

Wenn es so bunt wird, ist die Farbe des Garns wohl egal – Grau geht immer.

Mein fertiger Block. Den erfahrenen Patchworkerinnen ging diese Aufgabe leicht von der Hand. Für die Anfängerinnen bzw. Handnäherinnen war es etwas kniffeliger.

Das Foto ist von Karen. Sie hat mittlerweile beschlossen, noch mehr Blöcke zu nähen für etwas Größereres…

Improv Patchwork für Karla

Karla hat sich Improv Blöcke gewünscht und will noch überlegen, ob daraus ein Buch oder ein Kissenbezug o. ä. werden soll. Größe der Blöcke: 15 x 15 cm.

Hier die Farbvorgabe für uns andere.

In meinen Stoffvorräten fand sich so einiges an kleinen Stückchen…

Ich habe mich an der Bildvorlage orientiert und Wellenlinien und Kurven geschnitten. Erstmal eine größere Fläche zusammensetzen, dann sehen wir weiter.

Aus einem A4 Blatt habe ich einen Motivsucher geschnitten.

Letztlich sind es dann 2 Blöcke geworden. Doppelt gemoppelt hält besser 🙂

Das Foto hat Karla gemacht. Fast alle Blöcke sind schon angekommen.

Rote Quadrate für Elke

Elke hat sich von uns jeweils ein rotes Quadrat gewünscht. 15 x 15 cm. gepatcht, Technik egal, „Hauptsache am Ende kommt ein Quadrat heraus, welches für das Auge rot erscheint.“

Auch für Elke habe ich zunächst ein größereres Stück „Rot“ zusammenimprovisiert und dann kleinere Blöcke zugeschnitten.

Eins der Stücke habe ich dann als „Füllung“ eines Kreisausschnittes verwendet. Rot in Rot. Ich mag es sehr gerne, die Kamera hatte so ihre Schwierigkeiten mit der Farbe…

Das waren die ersten drei der ingesamt 11 Teilstückchen. Die anderen folgen in Kürze.
Der erste Atelierhaus Bee war ein Experiment, und ich bin sehr happy mit den Ergebnissen, die ich bislang gesehen habe! Deswegen wird es in 2027 eine zweite Runde geben — mit allem, was wir aus der ersten Runde gelernt haben. Vielleicht möchte ja noch jemand mitmachen im nächsten Jahr? Ab November geht es wieder los mit den Anmeldungen.

Hat jemand von euch auch schon mal bei einem Bee mitgemacht oder einen veranstaltet? Gibt es Blogs, wo das Thema ist? Oder tauscht ihr andere Dinge im Mixed Media Bereich (Artjournals oder so) im Bee Style?
Schreibt es gerne in Kommentare bzw. lasst gerne einen Link da!

Ab 1. November sind die Türen vom Atelierhaus wieder offen!

Das Atelierhaus ist mein virtuelles Atelier — ein Ort für alle, die regelmäßig kreativ arbeiten möchten, aber manchmal nicht wissen, womit sie anfangen sollen, sich Unterstützung wünschen oder einfach Lust haben, neue Techniken auszuprobieren.

Es gibt Kurse und Workshop-Aufzeichnungen zu Buchbinden, Collage, Mixed Media, Patchwork, Druck, Farbe und mehr — alles in Ruhe, in deinem eigenen Tempo, wann es dir passt. Dazu kommen mehrmals im Jahr Live-Workshops, bei denen wir gemeinsam in Echtzeit arbeiten.

Und wenn du möchtest, ist da auch eine Community: Menschen, die ihre Zines verschicken, Stoffe tauschen, Bücher binden und sich gegenseitig zeigen, was gerade auf dem Arbeitstisch liegt. Wenn du lieber für dich arbeitest, ist das genauso willkommen — alles ist möglich..

Das Atelierhaus öffnet einmal im Jahr. Der nächste Termin ist der 1. November.

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