Was machst Du beruflich? Ich? Äh, ja, ach so, ich bin Künstlerin! Wie ich wurde was ich bin…

Besonders in der ersten Zeit zu Hause nach meiner Vollzeitselbständigkeit hatte ich echt Schwierigkeiten, auf die Frage „Und was machst Du so beruflich?“ einfach zu antworten: „Ich bin Künstlerin!“

Darf ich mich Künstlerin nennen, auch wenn ich kein Diplom von einer einschlägigen Kunstschule besitze? Bin ich Künstlerin, auch wenn ich keine Bilder in Galerien und Austellungen hängen habe und vom Verkauf der Werke leben kann? Ist das ok? Darf ich als erstzunehmende Künstlerin Workshops und Kurse geben und mein Wissen weitergeben? Der ganze Katalog der Glaubenssätze…

Ja, ich darf das. Ich gestalte, ich erschaffe Werke, ob für mich oder für andere ist wurscht. Und ich unterstütze andere Menschen dabei, ihren kreativen Funken zu entzünden und durch das Teilen meines Erfahrungsschatzes eigene, neue Ideen umzusetzen.

Es gibt so viele Menschen, die künstlerisch arbeiten. Der klassische Weg von Hochschulstudium, Galerievertrag, Austellungen, Kunstpreise, Museum oder so ähnlich ist dabei gar nicht so häufig… heute will ich euch erzählen, wie mein Weg zur Kunst aussah bis jetzt.

 

  • Aufgewachsen und zur Schule gegangen bin ich in Einbeck, Niedersachsen. Solange ich mich erinnern kann, habe ich gerne gemalt, gezeichnet und gebastelt.
  • Kunst ist immer mein Lieblingsfach. Im Abi 1991 ist es mein Leistungskurs- die Wahl fällt mir leicht- das kann ich mit Abstand am besten
Offenbar fand ich wilde Malerei schon damals stark…
Da muss ich in der 7. Klasse gewesen sein. Wie man unschwer am Kittel und den Pinseln und besonders an der schrägen Mütze erkennt, bin ich zum Fasching als Künstlerin verkleidet.
  • Und wie wird man jetzt Künstlerin? Keine Ahnung. Das Arbeitsamt empfiehlt: „Goldschmied oder Druckvorlagenhersteller“ (der Beruf war damals schon am Sterben, das hatte die Behörde nur noch nicht mitbekommen) Also bewerbe ich mich an verschiedenen Kunsthochschulen. Im Nachhinein wundert es mich gar nicht, dass ich nicht genommen wurde…
  • Ein Praktikum im Malsaal vom Theater in Göttingen bringt Klarheit. Das will ich machen!
  • In Hannover an der damaligen Landesbühne starte ich 1993 eine Ausbildung zur Theatermalerin. Auch heute noch mein absoluter Traumberuf in dem ich alle meine unterschiedlichen Interessen für Handwerk, Kunst, Malen und Basteln ausleben kann. Jetzt allerdings in XXL!
Aus der Zeit meiner Ausbildung und der ersten Jahre am Theater gibt es leider so gut wie keine Bilder mehr… schade eigentlich.
  • Umzug nach Hamburg. Nach zwei Jahren in Hannover wechsele ich an das Ohnsorg Theater in Hamburg, schliesse meine Ausbildung ab und arbeite festangestellt im Malersaal. Ich interessiere mich auch für abstrakte Malerei, deswegen besuche ich nebenbei Malkurse an der Volkshochschule. Die so entstandenen Arbeiten reiche ich an der HfBK Hamburg ein und bekomme einen Studienplatz.
  • Kündigung im Theater, 4 Semester an der Hochschule. So ganz das Richtige ist es nicht. Ich beschliesse, mich selbstständig zu machen als Theatermalerin. 2000 Gründung des Atelier Artverwandt. Nebenbei jobbe ich in der Künstlermaterialabteilung eines Hamburger Nobelschreibwarengeschäfts.
  • Über die Arbeit im Geschäft kommt der Kontakt zum damaligen Ravensburger Verlag zustande. Es werden Autoren gesucht, die ein Buch über Acrylmalerei schreiben können für den Deutschen Markt. Meine Kollegen und ich machen das. Die „Neue Acrylmalerei“ erscheint und ist wahnsinnig erfolgreich. Weitere Titel folgen.
Das Hauptmaterial für Bühnendeko war bei uns im Atelier Styropor. Wir haben das in kubikmetergroßen Blöcken bestellt und verarbeitet. Das Pferd war für eine Revueshow in Berlin. 2011 war das…
  • Das eigene Atelier in Hamburg läuft immer besser. Die Nachfrage nach Acrylmalworkshops ist groß. In regelmässigen Abständen bieten wir Wochenendkurse an, zu denen die Teilnehmer*innen auch aus Österreich und der Schweiz kommen.
  • Die Aufträge für Bühnendeko und Spezialrequisiten werden größer. Wir beschäftigen regelmässig freie Mitarbeiter, weil die Arbeit nicht mehr zu zweit zu schaffen ist. Tolle Aufträge und Projekte. Nebenbei veranstalten wir immer noch Workshops und schreiben Bücher.
Spätsommer 2014. Mit der Familie unterwegs: Kunst im kleineren Format herrscht jetzt vor…
  • 2009 wird Leo geboren. Nach der Elternzeit arbeite ich weiter. Es zeichnet sich ab, dass feste Kinderbetreuungszeiten und Selbstständigkeit nur unter großen Anstrengungen zu vereinbaren sind.
  • 2013 kündigt sich das zweite Kind an. Spätestens jetzt ist es klar. Ich muss mich entscheiden zwischen Familie und Beruf. Ab 2014 bin ich zu Hause. Die Arbeit vermisse ich schon, den Stress nicht.
  • Der Arbeitgeber meines Mannes disponiert 2014 um. Plötzlich haben wir beide Zeit und sogar Geld. Wir kaufen ein Wohnmobil und reisen. Dänemark, Cornwall, Holland, Italien und immer wieder Ostsee.
Einer meiner ersten Siebdruckworkshops in Eigenregie! Im Bürgerhaus in Hamburg Barmbeck.
  • 2015: Leo kommt in die Schule und mit längeren Reisen ist es nun vorbei. Ich möchte gerne wieder ein bisschen arbeiten und organisiere wieder Workshops. In Eigenregie ohne eigenes Atelier. Ausserdem biete ich meine Kurse auch in Mannheim bei Jeromin an.
  • 2017 ziehen wir nach Kopenhagen. Mein Mann arbeitet dort und jetzt heißt es erstmal Dänisch lernen! Ich richte mir ein kleines Atelier zu Hause ein.
Ich richte mich ein in der Rørholmsgade in Kopenhagen.
  • 2019. Wir haben uns ganz gut eingelebt in Dänemark. Ich biete Workshops an der FOF (Volkshochschule) in Kopenhagen an. Auf Englisch und Dänisch. Die Wohnung wird zu klein, die Kinder brauchen separate Zimmer.
  • 2020 mache mich auf die Suche nach einem Atelier und miete mich im Atelier/Galerieraum einer Aquarellkünstlerin aus Japan ein in der Rørholmsgade. Zeitgleich kommt Corona. Dänemark geht in den Lockdown. Das Atelier ist geschlossen. Workshops fallen aus.
Trotz aller Einschränkungen mit Maske und Co.: EchteWorkshops sind immer noch das Schönste!
  • 2021: Das Virus hält sich hartnäckig. Workshops sind nicht möglich oder nur unter erschwerenden Umständen. Die Besucher und Käufer in der Rørholmsgade bleiben aus. Während dieser Zeit produziere ich 3 Onlinekurse und arbeite vorwiegend mit Textilien und Aquarell. Im Dezember kündige ich den Atelierplatz und bin aktuell auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Derweil arbeite ich vom Küchentisch aus.
Wie funktioniert das mit der Nachbereitung eines Videos? Die Lernkurve ist steil. Mein Beitrag zu Juli Fei Fan Balzer`s Carvedecemberclass 2020.

Mittlereile sind Workshops wieder möglich, durch die aktuelle politische Lages bleibt es weiterhin schwierig. Ich freue mich über jede Möglichkeit, mit Menschen zusammen zu werkeln und mein Wissen weiterzugeben. Gleichzeitig möchte ich mehr Leute erreichen, sichtbarer werden. Und deshalb denke ich aktuell darüber nach, meine Workshops auch digital mehr auszubauen. Es wird auch wieder eine Zeit kommen, in der ich größere, freie Arbeiten umsetzen kann.

Künstlerische Entwicklung ist eine Reise. Und ich habe trotz der vielen Jahre, die ich jetzt schon in dem Bereich tätig bin, immer noch das Gefühl, am Anfang zu stehen. Aufregend! Vielleicht habt ihr ja Lust, mich ab und zu hier zu besuchen? In Begleitung reist es sich bekanntlich ja noch angenehmer – ich würde mich freuen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Judith von Sympatexter für die großartige BoomBoomBlogchallenge 2022, im Rahmen derer dieser Blogpost entstanden ist.

Herzliche Grüße

Kristina

 

21 Antworten

  1. Liebe Kristina,
    schön, mal wieder so einen tollen Blogpost zu lesen. Das mache ich viel zu selten. Auch wenn wir uns erst einmal getroffen ahben, habe ich durch das Bloggen das Gefühl, dass wir uns schon sehr lange kennen. Und jetzt sehe ich, dass du aus Einbeck kommst. Das ist gar nicht so weit weg von mir. Vielleicht ergibt sich mal wieder ein Treffen in der Mitte Deutschlands. Ich würde mich freuen. Und bis dahin machen wir weiter Kunst und nennen uns Künstlerin.
    Liebe Grüße
    Ute

  2. Liebe Kristina,
    dass du Bücher geschrieben hast, wusste ich gar nicht. Aber weißt du was? Ich kenne deine Bücher, denn von 2004 – 2014 habe ich bei Idee Creativmarkt gearbeitet und auch Workshops im Laden gehalten. Deine Bücher waren oft die Inspiration für die Workshops und auf dem Verkaufsstand, die Buchcover habe ich alle schon gesehen. Ich habe also fleißig daran gearbeitet, viele deiner Bücher zu verkaufen. Das freut mich sehr. Und ich kann sagen, ich lerne seit fast 20 Jahren von dir. WOW! Vielen Dank. Ich würde deine Vita nun ganz selbstbewusst „Künstlerin und erfolgreiche Buchautorin“ nennen…. Bald sehen wir uns wieder. Ich freue mich sehr… PS: gibt es schon ein Siebdruckbuch? Mein ja nur…
    Liebe Grüße
    Tanja

  3. Liebe Kristina!
    Du bist DIE Künstlerin, die mich zum Blog-Lesen gebracht hat. Inzwischen hatte ich (während der Corona-Sommer) das Glück Dich in 2 Workshops erleben zu dürfen…. Du bist eine tolle Künstlerin mit vielen guten Ideen, die Du auch bereit bist zu teilen. Ich komme immer wieder gern in einen Deiner Workshops im Norden. Liebe Grüße aus Hamburg Rita

  4. Ja sicher bist du Künstlerin und das schon immer, so quasi von Geburt an und dann immer weiter bis zur Vollblut Künstlerin … mit Leib und Seele. Es war spannend für mich deinem Lebensweg zu folgen. Liebe Grüße aus dem österreichischen Weinviertel 🤗 Romy

  5. Wenn du Künstlerin sein willst, dann mach Kunst. Oder umgekehrt: Wenn du Kunst machst, bist du Künstlerin. Für mich ganz klar. Und wenn ich mir deine Geschichte so durchlese, dann kommt da ja hauptsächlich Gestalterisches vor, beruflich mit eigenen Aterliers, und nicht etwa „Bürofachkraft“ oder so. Ich bin echt beeindruckt! Die Umstände ändern sich, und du passt dich an, und wirst das sicher auch weiterhin machen. Toll, toll, toll. Liebe Grüße, Gabi (Wir sehen uns bald!)

  6. Hallo Kristina,
    dein Beitrag ist super interessant! Ich habe mich bei Judith ausgeklinkt, weil ich schon ganz schnell gemerkt habe, dass ihre Ziele nicht meine sind. Vielleicht werde ich trotzdem demnächst dazu etwas schreiben.

    Ich melde mich bei dir schon mal an zum Online-Workshop No-Scraps-Left-behind, falls du im Juli nicht nach Mannheim kommst und stattdessen einen Online-Kurs daraus machst 😉

    Liebe Grüße
    ela

    1. Hallo Ela,
      ja, das verstehe ich mit der BlogChallenge, aber das ist ja nicht schlimm- wichtig ist, dass man seine Ziele kennt. Und die sind ja für jeden von uns unterschiedlich 🙂 Ich freue mich auf jeden Fall schon darauf, etwas mehr über Dich zu erfahren- und vielleicht sehen wir uns ja in Mannheim- ansonsten bestimmt online 🙂
      Liebe Grüße von Kristina

  7. Liebe Kristina, was ein spannender Lebenslauf. Ja Du darfst- und ob! Als Künstlerinnen so toller Werke, so herrlicher Siebsdrucke, farbstarker Bilder, Du bist so herrlich ansteckend. Liebe Grüße! Eva

    1. Hihi, ansteckend zu sein, war ja in letzter Zeit nicht so Hip… 🙂 aber es stimmt, den Stempel-und Schnitzvirus habe ich schon öfter weitergegeben 🙂
      LG Kristina

  8. Ich danke Dir sehr, dass Du Deinen Werdegang, Deine Leidenschaften mit uns so schön geteilt hast! Hihi, so ein lustiges Bild mit Fingerfarbe am Körper gibt es von mir auch. Hab viel Freude weiterhin an all Deinen kreativen Abenteuern. Und ich drücke Dir die Daumen bezüglich Räumlichkeiten.
    Liebe Grüße
    Nina

  9. das ist wirklich ein spannender künstlerischer lebenslauf und ich freu mich, dich ein bisschen besser kennengelernt zu haben. du musst dich wirklich nicht verstecken und kannst laut und deutlich sagen, dass du künstlerin bist! mit viel ausdauer, mut und energie hast du deinen weg zwischen freier kunst, workshops und sogar als autorin geschafft.
    ich drücke dir die daumen, dass du bald wieder einen guten arbeitsplatz findest! ich freu mich auf weitere blogbeiträge von dir – und schaffe es hoffentlich auch mal, einen kurs bei dir zu besuchen.
    liebe grüße in die lieblingsstadt
    mano

    1. Liebe Mano,
      ich würde mich total freuen, wenn wir uns mal irgendwann persönlich kennenlernen – wer weiß, vielleicht klappt es dieses Jahr ja mal… ich denke darüber nach 🙂
      Liebe Grüße aus Kopenhagen
      Kristina

  10. Tolle Bilder und spannend von deinen ganzen Erfahrungen zu lesen. Tja, das Künstlerdasein ist ein große Herausforderung, auch ohne Corona. Hut ab, wie du immer wieder den nächsten Schritt gefunden hast. Alles Gute, und ich würde mich freuen, mal wieder einen deiner Kurse zu besuchen! Irgendwann wird es klappen.
    Liebe Grüße
    Christiane

  11. Liebe Kristina,
    ich habe das Gefühl, Dich jetzt ein bisschen besser zu kennen, danke für Deine Vita. Sehr interessant. Vor über einem Jahr haben wir mal miteinander in Michaelas Studio telefoniert, ich war dort zu einem Kurs. Anschließend sind wir dann nach DK mit unserem Wohnmobil mehre Wochen unterwegs gewesen, Kopenhagen und Dein Atelier stand eigentlich auch auf unserer Tour, aber Corona wurde wieder mehr und so haben wir große Städte gemieden. In und um Skaerbaek waren wir etwas länger, da ein Freund von uns in der Werft dort sein Boot liegen hat und wir ihn besuchten.

    Ich selbst bin laufend mit kreativen Dingen in meiner Werkstatt beschäftigt, immer wieder inspiriert von Michaela und ich habe endlich die Zeit und den Platz dafür und das empfinde ich als das größte Glück.
    Ich grüße Dich aus dem Bergischen Land
    Ute.

    1. Hallo Ute,
      das ist ja lustig- da haben wir uns ja fast persönlich kennengelernt 🙂 Na, wer weiß, vielleicht kreuzen unsere Wege sich ja noch einmal wirklich, ob bei Michaela oder in Dänemark oder online?
      Herzliche Grüße
      Kristina

  12. Liebe Kristina,
    was für ein toller Lebenslauf und… ja, du darfst das!!! Ich freue mich sehr, dass wir uns kennenlernen durften.
    Das nächste Treffen ist hoffentlich nicht fern.
    Alles Liebe, Sandra

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Hej! Ich bin Kristina, Künstlerin und Bloggerin. Ich horte Papier und Stoffe. Mein Herz schlägt für Siebdruck, Stempelschnitzen, Büchermachen, Collagen und Mixed Media. Hier schreibe ich über das, was ich tue und darüber, was ich denke, während ich tue was ich tue. Und ich zeige euch meine Stadt Kopenhagen.

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